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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Robert Ernst Prutz

Christnacht

Heil'ge Nacht, auf Engelsschwingen
        Nahst du leise dich der Welt,
Und die Glocken hör' ich klingen,
        Und die Fenster sind erhellt.
5 Selbst die Hütte trieft von Segen,
        Und der Kindlein froher Dank
Jauchzt dem Himmelskind entgegen,
        Und ihr Stammeln wird Gesang.
Mit der Fülle süßer Lieder,
10         Mit dem Glanz um Thal und Höhn,
Heil'ge Nacht, so kehrst du wieder,
        Wie die Welt dich einst gesehn?
Da die Palmen lauter rauschten,
        Und, versenkt in Dämmerung,
15 Erd' und Himmel Worte tauschten,
        Worte der Verkündigung;
Da mit Purpur übergossen,
        Aufgethan von Gottes Hand,
Alle Himmel sich erschlossen,
20         Glänzend über Meer und Land;
Da, den Frieden zu verkünden,
        Sich der Engel niederschwang,
Auf den Höhen, in den Gründen
        Die Verheißung wiederklang;
25 Da der Jungfrau Sohn zu dienen,
        Fürsten aus dem Morgenland
In der Hirten Kreis erschienen,
        Geld und Myrrhen in der Hand;
Da mit seligem Entzücken
30         Sich die Mutter niederbog,
Sinnend aus des Kindes Blicken
        Niegefühlte Freude sog.
Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen
        Steigst du feierlich herauf:
35 O so geh' in unsern Herzen,
        Stern des Lebens, geh' uns auf!
Schau, im Himmel und auf Erden
        Glänzt der Liebe Rosenschein:
Friede soll's noch einmal werden
40         Und die Liebe König sein! -





Entstehungsjahr: vor 1842
Erscheinungsjahr: 1841
Aus: Gedichte / Lyrisches. Erstes Buch
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Robert E. Prutz. Verlag Otto Wigand, Leipzig: 1841, S. 154-156.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.