Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hermann Lingg

Mittagszauber

Vor Wonne zitternd hat die Mittagsschwüle
Auf Thal und Höh' in Stille sich gebreitet,
Man hört nur, wie der Specht im Tannicht scheitet,
Und wie durch's Tobel rauscht die Sägemühle.
5 Und schneller fließt der Bach, als such' er Kühle,
Die Blume schaut ihm durstig nach und spreitet
Die Blätter sehnend aus und trunken gleitet
Der Schmetterling vom seidnen Blüthenpfühle.
Am Ufer sucht der Fährmann sich im Nachen
10 Aus Weidenlaub ein Sonnendach zu zimmern,
Und sieht in's Wasser, was die Wolken machen.
Jetzt ist die Zeit, wo oft im Schilf ein Wimmern
Den Fischer weckt; der Jäger hört ein Lachen,
Und golden sieht der Hirt die Felsen schimmern.





Entstehungsjahr: vor 1857
Erscheinungsjahr: 1857
Aus: Gedichte / Sonette
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Hermann Lingg. J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart und Augsburg: 1857, S. 191.
Bemerkungen
Das Sonett wird mit seiner ersten und dem Beginn der letzten Strophe in Fontanes »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« zitiert, und zwar im zweiten Teil »Das Oderland«, Buch: »Auf dem Hohen-Barnim«, Kapitel: »Steinhövel / Valentin von Massow«.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.