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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hermann Lingg

Hochsommer

O Frühling, holder fahrender Schüler,
Wo zogst du hin? Die Linden blühn,
Die Nächte werden stiller, schwüler,
Und dichter schwillt das dunkle Grün.
5 Doch ach! Die schönen Stunden fehlen,
Wo jedes Leben überquoll,
Wo trunken alle Schöpfungsseelen
In's Blaue schwärmten wollustvoll.
Nicht singt mehr, wie am Maienfeste,
10 Die Nachtigall, die Rosenbraut,
Sie fliegt zum tiefverborgnen Neste,
Mit mütterlich besorgtem Laut.
Der goldne längste Tag ist nieder,
Der Himmel voll Gewitter glüht;
15 Verklungen sind die ersten Lieder,
Die schönsten Blumen sind verblüht.





Entstehungsjahr: vor 1857
Erscheinungsjahr: 1857
Aus: Gedichte / Vermischte Gedichte
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Hermann Lingg. J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart und Augsburg: 1857, S. 95.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.