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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hermann Lingg

Attila's Schwert

Unterm Eichbaum auf der Haide
Liegt ein Riesenschwert uralt,
Oft in seiner dunklen Scheide
Zuckt es durch den Felsenspalt.
5 Heimlich warten Gnom und Elfe,
Wachsam bei dem großen Schatz;
Aber Eber nur und Wölfe
Wissen den gefeiten Patz.
Endlich finden's Hunnenkrieger,
10 Attila empfängt den Hort,
Und er ruft: Als Weltbesieger
Grüßt mich hier ein Götterwort.
Spricht's und schwingt das Schwert der Ahnen
Wie zum Wurf nach West empor,
15 Allen Hunnen und Alanen
Schien es wie ein Meteor.
Hoher Wiederschein am Himmel
Dehnt sich wie Kometenglanz;
Durch die Luft ein Schlachtgetümmel
20 Hört der Kaiser in Byzanz.
Hört's und ruft den Astrologen,
Der ihm nun, wie alles, schweigt,
Auf des Bospors dunklen Wogen
Schwanke blasse Sterne zeigt:
25 »Kaiser, Gott und Götter schlafen,
Deine großen Feinde nahn,
Mische Gift und opfre Sklaven,
Thaten hast du nie gethan!«





Entstehungsjahr: vor 1857
Erscheinungsjahr: 1857
Aus: Gedichte / Geschichte
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Hermann Lingg. J. G. Cotta'scher Verlag, Stuttgart und Augsburg: 1857, S. 24-25.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.