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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Clemens Brentano (Maria)

[Sprich aus der Ferne]

            Sprich aus der Ferne
            Heimliche Welt,
            Die sich so gerne
            Zu mir gesellt.
5          Wenn das Abendrot niedergesunken,
         Keine freudige Farbe mehr spricht,
         Und die Kränze stilleuchtender Funken
         Die Nacht um die schattigte Stirne flicht:
            Wehet der Sterne
10             Heiliger Sinn
            Leis durch die Ferne
            Bis zu mir hin.
         Wenn des Mondes still lindernde Tränen
         Lösen der Nächte verborgenes Weh;
15          Dann wehet Friede. In goldenen Kähnen
         Schiffen die Geister im himmlischen See.
            Glänzende Lieder
            Klingender Lauf
            Ringelt sich nieder,
20             Wallet hinauf.
         Wenn der Mitternacht heiliges Grauen
         Bang durch die dunklen Wälder hinschleicht,
         Und die Büsche gar wundersam schauen,
         Alles sich finster tiefsinnig bezeugt:
25             Wandelt im Dunkeln
            Freundliches Spiel,
            Still Lichter funkeln
            Schimmerndes Ziel.
         Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,
30          Bietet sich tröstend und traurend die Hand,
         Sind durch die Nächte die Lichter gewunden,
         Alles ist ewig im Innern verwandt.
            Sprich aus der Ferne
            Heimliche Welt,
35             Die sich so gerne
            Zu mir gesellt.





Entstehungsjahr: 1798-1801
Erscheinungsjahr: 1801
Aus: Gedichte 1795-1803
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 1968, S. 55-56.
Bemerkungen
Aus: "Godwi I". Gedicht korrigiert und mit SUZ versehen.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.