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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Clemens Brentano (Maria)

[Ein Becher voll von süßer Huld]

 Ein Becher voll von süßer Huld
 Und eine glühnde Ungeduld
 Und eine arme trunkne Schuld
 Sie lehren mich zu flehen!
5  Du Becher voll von süßer Huld
 Vergieb der glühnden Ungeduld
 Vergieb die arme trunkne Schuld,
 Die ins Gericht will gehen.
 Den Becher voll von süßer Huld
10  Darf heut die glühnde Ungeduld
 Zur Buße armer trunkner Schuld
 Nicht sehn, und möcht' vergehen!
 Das freut den Becher süßer Huld
 Das schmerzt die glühnde Ungeduld
15  Das straft die arme trunkne Schuld
 Mit bittern, bittern Wehen.
 O Becher voll von süßer Huld,
 Woll' nicht die glühnde Ungeduld,
 Ob ihrer armen trunknen Schuld,
20  Die heute büßt, verschmähen.
 Fließ über Becher süßer Huld,
 Werd' Asche glühnde Ungeduld,
 Die mag die arme trunkne Schuld
 Gemischt mit Tränen säen.
25  Auf daß du Becher süßer Huld
 Um dich in Schmerzen der Geduld,
 Still auf dem Grab der armen Schuld
 Die Lilie kann erstehen.
 Die Lilie, die voll süßer Huld,
30  Du sahst im Garten der Geduld
 Mit Stern und Engel ohne Schuld
 Du leuchten hast gesehen.





Entstehungsjahr: 1834-1842
Erscheinungsjahr: 1852
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 1968, S. 536-537.
Bemerkungen
Auch bekannt unter dem Titel "Aus einem kranken Herzen".
Gedicht korrigiert und mit SUZ versehen.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.