Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

August Wilhelm von Schlegel

Das Sonett

Zwei Reime heiß' ich viermal kehren wieder,
    Und stelle sie, getheilt, in gleiche Reihen,
    Daß hier und dort zwei eingefaßt von zweien
    Im Doppelchore schweben auf und nieder.
5 Dann schlingt des Gleichlauts Kette durch zwei Glieder
    Sich freier wechselnd, jegliches von dreien.
    In solcher Ordnung, solcher Zahl gedeihen
    Die zartesten und stolzesten der Lieder.
Den werd' ich nie mit meinen Zeilen kränzen,
10     Dem eitle Spielerei mein Wesen dünket,
    Und Eigensinn die künstlichen Gesetze.
Doch, wem in mir geheimer Zauber winket,
    Dem leih' ich Hoheit, Füll' in engen Gränzen,
    Und reines Ebenmaß der Gegensätze.





Entstehungsjahr: 1798-1800
Erscheinungsjahr: 1800
Aus: Gedichte / Erster Teil / Drittes Buch / Sonette
Referenzausgabe:
Eduard Böcking: August Wilhelm von Schlegel's Poetische Werke, Bd. 1. Weidmann'sche Buchhandlung: 1846, S. 304.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.