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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Der Kehraus

Es fiedeln die Geigen,
Da tritt in den Reigen
Ein seltsamer Gast,
Kennt keiner den Dürren,
5 Galant aus dem Schwirren
Die Braut er sich faßt.
Hebt an, sich zu schwenken
In allen Gelenken.
Das Fräulein im Kranz:
10 »Euch knacken die Beine. –«
»Bald rasseln auch deine,
Frisch auf spiel't zum Tanz!«
Ein Kenner im Ringe
Betrachtet die Sprünge,
15 Er findet's gemein.
»Dir kann's auch nicht schaden!«
Die vornehmen Waden
Muß er schwingen im Reih'n.
Die Spröde hinter'm Fächer,
20 Der Zecher vom Becher,
Der Dichter so lind,
Muß auch mit zum Tanze,
Daß die Lorbeern vom Kranze
Fliegen im Wind.
25 So schnurret der Reigen
Zum Saal 'raus in's Schweigen
Der prächtigen Nacht,
Die Klänge verwehen,
Die Hähne schon krähen,
30 Da verstieben sie sacht. –
So ging 's schon vor Zeiten
Und geht es noch heute,
Und hörest du hell
Aufspielen zum Reigen,
35 Wer weiß, wem sie geigen –
Hüt' dich, Gesell!





Entstehungsjahr: vor 1839
Erscheinungsjahr: 1838
Aus: Gedichte 1837-1843
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 404-405.
Bemerkungen
Erstdruck 1838 in »Deutscher Musenalmanach«, S. 284-285, unter gleichem Titel (=DV)
1841 in G1, S. 329, unter gleichem Titel

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.