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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Clemens Brentano (Maria)

Der Spinnerin Nachtlied

 Es sang vor langen Jahren
 Wohl auch die Nachtigall,
 Das war wohl süßer Schall,
 Da wir zusammen waren.
5  Ich sing' und kann nicht weinen,
 Und spinne so allein
 Den Faden klar und rein
 So lang der Mond wird scheinen.
 Da wir zusammen waren
10  Da sang die Nachtigall
 Nun mahnet mich ihr Schall
 Daß du von mir gefahren.
 So oft der Mond mag scheinen,
 Denk' ich wohl dein allein,
15  Mein Herz ist klar und rein,
 Gott wolle uns vereinen.
 Seit du von mir gefahren,
 Singt stets die Nachtigall,
 Ich denk' bei ihrem Schall,
20  Wie wir zusammen waren.
 Gott wolle uns vereinen
 Hier spinn' ich so allein,
 Der Mond scheint klar und rein,
 Ich sing' und möchte weinen!





Entstehungsjahr: nach 1817
Erscheinungsjahr: 1818
Aus: Gedichte 1795-1803
Referenzausgabe:
Wolfgang Frühwald (Bd. 1) / Bernhard Gajek (Bd. 1) / Friedhelm Kemp (Bd. 1): Clemens Brentano. Werke, Bd. 1. Carl Hanser Verlag, München: 19638, S. 131.
Bemerkungen
Aus: Aus der Chronika eines fahrenden Schülers, in: Die Sängerfahrt, Berlin 1818; eine von fünf unterschiedlichen Fassungen. Die Überschrift ist vermutlich nicht original. Überarbeitet und mit SUZ versehen.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.