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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Victor von Scheffel

[Das ist im Leben häßlich eingerichtet]

Das ist im Leben häßlich eingerichtet,
Daß bei den Rosen gleich die Dornen steh'n,
Und was das arme Herz auch sehnt und dichtet,
Zum Schlusse kommt das Voneinandergeh'n.
5 In deinen Augen hab' ich einst gelesen,
Es blitzte drinn' von Lieb und Glück ein Schein:
  Behüet dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
  Behüet dich Gott, es hat nicht sollen sein! –
Leid, Neid und Haß, auch ich hab' sie empfunden,
10 Ein sturmgeprüfter müder Wandersmann.
Ich träumt' von Frieden dann und stillen Stunden,
Da führte mich der Weg zu dir hinan.
In deinen Armen wollt' ich ganz genesen,
Zum Danke dir mein junges Leben weih'n.
15   Behüet dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
  Behüet dich Gott, es hat nicht sollen sein!
Die Wolken flieh'n, der Wind saust durch die Blätter,
Ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld,
Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter,
20 Grau wie der Himmel steht vor mir die Welt.
Doch, wend' es sich zum Guten oder Bösen,
Du schlanke Maid, in Treuen denk' ich dein!
  Behüet dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
  Behüet dich Gott, es hat nicht sollen sein!





Entstehungsjahr: 1853
Erscheinungsjahr: 1858
Aus: / Lieder jung Werner's XII.
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Der Trompeter von Säckingen. ein Sang vom Oberrhein von J. V. Scheffel. J. B. Metzler'sche Buchhandlung, Stuttgart: 1876, S. 220-221.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.