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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Victor von Scheffel

Dörpertanzweise
(zu Ehren Heinrichs von Ofterdingen gedichtet)

»Ich versihe mich niuwer maere
Uns komt der Stiuraere!«
      Kunech Luarin V, 80
Den Finken des Waldes die Nachtigall ruft:
5 »Vom Geigenstrich schallt es goldrein durch die Luft,
Ihr Zwitschrer, ihr Schreier, nun spart den Diskant,
Der Heini von Steier ist wieder im Land!«
Flickschuster im Gaden schwingts Käpplein und spricht:
»Der Himmel in Gnaden vergißt Unser nicht,
10 Sohlleder wird theuer, Bundschuh platzt am Rand,
Der Heini von Steier ist wieder im Land.«
Schon schwirren zur Linde, berückt und entzückt
Die lieblichen Kinde mit Kränzen geschmückt:
»Wo säumen die Freier? Manch Herz steht in Brand ...
15 Der Heini von Steier ist wieder im Land.«
Und Wer schürzt mit Schmunzeln den Rock sich zum Sprung?
Großmutter in Runzeln, auch sie wird heut jung ..
Sie stelzt wie ein Reiher dürrbeinig im Sand ...
Der Heini von Steier ist wieder im Land!
20 Der Hirt läßt die Heerde, der Wirth läßt den Krug,
Der Knecht läßt die Pferde, der Bauer den Pflug,
Der Vogt und der Maier kommt scheltend gerannt:
»Der Heini von Steier ist wieder im Land!«
Der aber hebt schweigend die Fidel zur Brust ..
25 Halb brütend, halb geigend – des Volks unbewußt.
Leis knisternd strömt Feuer um Saiten und Hand ...
Der Heini von Steier ist wieder im Land!
... Im Gärtlein der Nonnen auf blumiger Höh
Lehnt Eine am Bronnen und weint in den Klee:
30 »O Gürtel und Schleier .. o schwarzes Gewand ..
Der Heini von Steier ist wieder im Land!«





Entstehungsjahr: um 1857
Erscheinungsjahr: 1863
Aus: / Tanzlieder 2
Referenzausgabe:
Ohne Herausgber: Frau Aventiure. Lieder aus Heinrich von Ofterdingens Zeit von J. V. Scheffel. Verlag von Adlolf Bonz & Comp., Stuttgart: 1876, S. 172-173.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.