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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Christoph Friedrich von Schiller

Die Größe der Welt

Die der schaffende Geist einst aus dem Chaos schlug,
Durch die schwebende Welt flieg ich des Windes Flug,
        Bis am Strande
        Ihrer Wogen ich lande,
5 Anker werf', wo kein Hauch mehr weht
Und der Markstein der Schöpfung steht.
Sterne sah ich bereits jugendlich auferstehn,
Tausendjährigen Gangs durchs Firmament zu gehn,
        Sah sie spielen
10         Nach den lockenden Zielen,
Irrend suchte mein Blick umher,
Sah die Räume schon – sternenleer.
Anzufeuern den Flug weiter zum Reich des Nichts,
Steur' ich mutiger fort, nehme den Flug des Lichts,
15         Neblicht trüber
        Himmel an mir vorüber,
Weltsysteme, Fluten im Bach,
Strudeln dem Sonnenwanderer nach.
Sieh, den einsamen Pfad wandelt ein Pilger mir
20 Rasch entgegen – »Halt an! Waller, was suchst du hier?«
        »Zum Gestade
        Seiner Welt meine Pfade,
Segle hin, wo kein Hauch mehr weht,
Und der Markstein der Schöpfung steht!«
25 »Steh! du segelst umsonst – vor dir Unendlichkeit!«
»Steh! du segelst umsonst – Pilger auch hinter mir! –
        Senke nieder,
        Adlergedank dein Gefieder!
Kühne Seglerin, Phantasie,
30 Wirf ein mutloses Anker hie.«





Entstehungsjahr: 1778
Erscheinungsjahr: 1782
Aus: Gedichte / Zweiter Teil 1805
Referenzausgabe:
Georg Kurscheidt: Friedrich Schiller. Werke und Briefe, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1992, S. 269-270.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.