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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Christoph Friedrich von Schiller

Sehnsucht

Ach, aus dieses Tales Gründen
    Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
    Ach, wie fühlt' ich mich beglückt!
5 Dort erblick' ich schöne Hügel,
    Ewig jung und ewig grün.
Hätt' ich Schwingen, hätt' ich Flügel,
    Nach den Hügeln zög' ich hin!
Ach, wie schön muß sich's ergehen
10     Dort im ew'gen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen,
    Ach, wie labend muß sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
    Der ergrimmt dazwischen braust,
15 Seine Wellen sind gehoben,
    Daß die Seele mir ergraust.
Einen Nachen seh' ich schwanken,
    Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
20     Seine Segel sind beseelt.
Du mußt glauben, du mußt wagen,
    Denn die Götter leihn kein Pfand;
Nur ein Wunder kann dich tragen
    In das schöne Wunderland.





Entstehungsjahr: 1802
Erscheinungsjahr: 1802
Fassung: Frühe
Aus: / Erstfassungen der Gedichte 1804/1805
Referenzausgabe:
Georg Kurscheidt: Friedrich Schiller. Werke und Briefe, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1992, S. 458-459.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Sehnsucht , entstanden 1802

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.