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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Der Einsiedler

Komm' Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd,
5 Singt über's Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
10 Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd gemacht,
15 Das weite Meer schon dunkelt,
Laß' ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.





Entstehungsjahr: vor 1838
Erscheinungsjahr: 1837
Aus: Gedichte 1831-1836
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 322.
Bemerkungen
Erstdruck 1837 in »Deutscher Musenalmanach«, S. 242 (=DV)
Dann in G1, 1837, S. 380
Der erste Vers des Gedichtes basiert auf dem »Lied des Einsiedlers« aus Grimmelshausens »Der Abentheuerliche Simplizissimus Teutsch« (1669), Erstes Buch, Kap. 9.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.