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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Der alte Garten

Kaiserkron' und Päonien rot,
Die müssen verzaubert sein,
Denn Vater und Mutter sind lange tot,
Was blühn sie hier so allein?
5 Der Springbrunn plaudert noch immerfort
Von der alten schönen Zeit,
Eine Frau sitzt eingeschlafen dort,
Ihre Locken bedecken ihr Kleid.
Sie hat eine Laute in der Hand,
10 Als ob sie im Schlafe spricht,
Mir ist, als hätt' ich sie sonst gekannt –
Still, geh vorbei und weck' sie nicht!
Und wenn es dunkelt das Tal entlang,
Streift sie die Saiten sacht,
15 Da gibt 's einen wunderbaren Klang
Durch den Garten die ganze Nacht.





Entstehungsjahr: vor 1840
Erscheinungsjahr: 1839
Aus: Gedichte 1837-1843
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 402.
Bemerkungen
Erstdruck 1839 in der Novelle »Die Entfühung«
1841 in G2 unter dem Titel »Der alte Garten«, S. 433, diese Fassung ist auch DV

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.