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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Christoph Friedrich von Schiller

Dithyrambe

Nimmer, das glaubt mir,
Erscheinen die Götter,
Nimmer allein.
Kaum daß ich Bacchus den lustigen habe,
5 Kommt auch schon Amor, der lächelnde Knabe,
Phöbus der Herrliche findet sich ein.
    Sie nahen, sie kommen
    Die Himmlischen alle,
    Mit Göttern erfüllt sich
10     Die irdische Halle.
Sagt, wie bewirt' ich,
Der Erdegeborne,
Himmlischen Chor?
Schenket mir euer unsterbliches Leben,
15 Götter! Was kann euch der Sterbliche geben?
Hebet zu eurem Olymp mich empor.
    Die Freude, sie wohnt nur
    In Jupiters Saale,
    O füllet mit Nektar,
20     O reicht mir die Schale!
Reich ihm die Schale!
Schenke dem Dichter
  Hebe nur ein.
  Netz' ihm die Augen mit himmlischem Taue,
25   Daß er den Styx, den verhaßten, nicht schaue,
  Einer der Unsern sich dünke zu sein.
    Sie rauschet, sie perlet,
    Die himmlische Quelle,
    Der Busen wird ruhig,
30     Das Auge wird helle.





Entstehungsjahr: 1796
Erscheinungsjahr: 1800
Aus: Gedichte / Erster Teil 1804
Referenzausgabe:
Georg Kurscheidt: Friedrich Schiller. Werke und Briefe, Bd. 1. Deutscher Klassiker Verlag: 1992, S. 89.
Bemerkungen
Zuerst unter dem Titel »Der Besuch«

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.