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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Lied (Das zerbrochene Ringlein)

In einem kühlen Grunde,
Da geht ein Mühlenrad,
Mein' Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.
5 Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein'n Ring dabei,
Sie hat die Treu gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht' als Spielmann reisen
10 Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen
Und gehn von Haus zu Haus.
Ich möcht' als Reiter fliegen
Wohl in die blut'ge Schlacht,
15 Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.
Hör' ich das Mühlrad gehen,
Ich weiß nicht, was ich will,
Ich möcht' am liebsten sterben,
20 Da wär's auf einmal still.





Entstehungsjahr: 1810
Erscheinungsjahr: 1813
Aus: Gedichte 1807-1810
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 84.
Bemerkungen
Erstdruck 1813 in »Deutscher Dichterwald« unter dem Titel »Lied«, S. 40 (=DV, verglichen mit der Handschrift im FHD)
1815 in »Ahnung und Gegenwart«
1826 in »Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und Romanzen« unter dem Titel »Das zerbrochene Ringlein«, S. 227
1837 in »Gedichte von Jospeh Freiherrn von Eichendorff« unter dem Titel »Das zerbrochene Ringlein«, S. 432
1828 in »Braga«, Nr. 4, S. 106-107, unter dem Titel »Romanze« Später in »Ahnung und Gegenwart«

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.