Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
Verschiedene Fassungen des Gedichts nebeneinander anzeigen

Johann Heinrich Voss (Voß)

Die Kartoffelernte

Kindlein, sammelt mit Gesang
Der Kartoffeln Überschwang!
Ob wir voll bis oben schütten
Alle Mulden, Körb und Bütten,
5 Noch ist immer kein Vergang.
Wo man nur den Bulten hebt,
Schaut, wie voll es lebt und webt!
O die schöngekerbten Knollen,
Weiß und rot und dick geschwollen!
10 Immer mehr, je mehr man gräbt.
Nicht umsonst in bunter Schau
Blüht' es rötlich, weiß und blau!
Ward gejätet, ward gehäufet:
Kindlein, Gottes Segen reifet!
15 Rief ich oft, und traf's genau!
Einst vom Himmel schaute Gott
Auf der Armen bittre Not:
Nahe ging's ihm; und was tat er
Uns zum Trost, der gute Vater?
20 Regnet' er uns Mannabrot?
Nein, ein Mann ward ausgesandt,
Der die neue Welt erfand!
Reiche nennen's Land des Goldes;
Doch der Arme nennt's sein holdes,
25 Nährendes Kartoffelland!
Nur ein Knöllchen eingesteckt
Und mit Erde zugedeckt!
Unten treibt dann Gott sein Wesen!
Kaum sind Hände gnug zum Lesen,
30 Wie es unten wühlt und heckt.
Was ist nun für Sorge noch?
Klar im irdnen Napf und hoch
Dampft Kartoffelschmaus für alle!
Unsre Milchkuh auch im Stalle
35 Nimmt ihr Teil und brummt am Trog!
Aber, Kindlein hört! Ihr sollt
Nicht verschmähn das liebe Gold!
Habt ihr Gold, ihr könnt bei Haufen
Schöne Saatkartoffeln kaufen,
40 Grad aus Holland, wenn ihr wollt!





Entstehungsjahr: 1794
Erscheinungsjahr: 1802
Fassung: Andere
Aus: Oden, Lieder, vermischte Gedichte
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Voss. Werke in einem Band. Aufbau-Verlag: 1972, S. 253-254.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Die Kartoffelernte , entstanden 1794

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.