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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Karl Simrock

Der versenkte Hort

Es war einmal ein König,
Ein König war's am Rhein,
Der liebte nichts so wenig
Als Haders Not und Pein.
5 Es stritten seine Degen
Um einen Schatz im Land
Und wären fast erlegen
Vor ihrer eignen Hand.
Da sprach er zu den Edeln:
10 »Was frommt euch alles Gold,
Wenn ihr mit euern Schädeln
Den Hort erkaufen sollt?
Ein Ende sei der Plage,
Versenkt ihn in den Rhein;
15 Da bis zum Jüngsten Tage
Mag er verborgen sein.«
Da senkten ihn die Stolzen
Hinunter in die Flut:
Er ist wohl gar geschmolzen,
20 Seitdem er da geruht.
Zerronnen in den Wellen
Des Stroms, der drüber rollt,
Läßt er die Trauben schwellen
Und glänzen gleich dem Gold.
25 Daß doch ein jeder dächte,
Wie dieser König gut,
Und daß kein Leid ihn brächte
Um seinen hohen Mut.
So senkten wir hinunter
30 Den Kummer in den Rhein
Und tränken frisch und munter
Von seinem goldnen Wein.





Entstehungsjahr: 1817-1826
Erscheinungsjahr: 1826
Aus: Gedichte / II. Sagen und Legenden
Referenzausgabe:
Gotthold Klee: Karl Simrocks ausgewählte Werke in zwölf Bänden. Max Hesses Verlag: [1907], S. 34-35.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.