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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Karl Simrock

Warnung vor dem Rhein

An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein,
Mein Sohn, ich rate dir gut:
Da geht dir das Leben zu lieblich ein,
Da blüht dir zu freudig der Mut.
5 Siehst die Mädchen so frank und die Männer so frei,
Als wär' es ein adlig Geschlecht;
Gleich bist du mit glühender Seele dabei:
So dünkt es dich billig und recht.
Und zu Schiffe, wie grüßen die Burgen so schön
10 Und die Stadt mit dem ewigen Dom!
In den Bergen, wie klimmst du zu schwindelnden Höhn
Und blickst hinab in den Strom.
Und im Strome, da taucht die Nix' aus dem Grund,
Und hast du ihr Lächeln gesehn,
15 Und sang dir die Lurlei mit bleichem Mund,
Mein Sohn, so ist es geschehn:
Dich bezaubert der Laut, dich betört der Schein,
Entzücken faßt dich und Graus.
Nun singst du nur immer: Am Rhein, am Rhein,
20 Und kehrst nicht wieder nach Haus.





Entstehungsjahr: 1817-1836
Erscheinungsjahr: 1836
Aus: Gedichte / I. Lieder
Referenzausgabe:
Gotthold Klee: Karl Simrocks ausgewählte Werke in zwölf Bänden. Max Hesses Verlag: [1907], S. 6-7.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.