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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

Abschied

O Täler weit, o Höhen,
O schöner grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt'ger Aufenthalt!
5 Da draußen, stets betrogen,
Saus't die geschäft'ge Welt,
Schlag' noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!
Wenn es beginnt zu tagen,
10 Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
15 Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!
Da steht im Wald geschrieben,
Ein stilles, ernstes Wort
Von rechtem Tun und Lieben,
20 Und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
Die Worte schlicht und wahr,
Und durch mein ganzes Wesen
Ward's unaussprechlich klar.
25 Bald werd' ich dich verlassen,
Fremd in der Fremde geh'n,
Auf buntbewegten Gassen
Des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
30 Wird deines Ernst's Gewalt
Mich Einsamen erheben,
So wird mein Herz nicht alt.





Entstehungsjahr: 1810
Erscheinungsjahr: 1815
Aus: Gedichte / 1831-1836
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 346-347.
Bemerkungen
Erstdruck 1815 in »Ahnung und Gegenwart«, dort ohne Titel
Weitere Titel »Im Walde bei L.«, 1826, und »Im Walde der Heimat«, 1826.
vgl. mit der Frühform »An den Hasengarten«

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.