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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Max von Schenkendorf

Andreas Hofer

Als der Sandwirt von Passeier
Innsbruck hat mit Sturm genommen,
Die Studenten, ihm zur Feier,
Mit den Geigen mittags kommen,
5 Laufen alle aus der Lehre,
Ihm ein Hochvivat zu bringen,
Wollen ihm zu seiner Ehre
Seine Heldentaten singen.
Doch der Held gebietet Stille,
10 Spricht dann ernst: »Legt hin die Geigen!
Ernst ist Gottes Kriegeswille.
Wir sind all dem Tode eigen.
Ich ließ nicht um lust'ge Spiele
Weib und Kind in Tränen liegen;
15 Weil ich nach dem Himmel ziele,
Kann ich ird'sche Feind' besiegen.
Kniet bei euren Rosenkränzen!
Dies sind meine frohsten Geigen;
Wenn die Augen betend glänzen,
20 Wird sich Gott der Herr drein zeigen.
Betet leise für mich Armen,
Betet laut für unsern Kaiser,
Dies ist mir das liebste Karmen:
Gott schütz' edle Fürstenhäuser!
25 Ich hab' keine Zeit zum Beten,
Sagt dem Herrn der Welt, wie's stehe,
Wie viel Leichen wir hier säten
In dem Tal und auf der Höhe,
Wie wir hungern, wie wir wachen,
30 Und wie viele brave Schützen
Nicht mehr schießen, nicht mehr lachen –
Gott allein kann uns beschützen!«





Entstehungsjahr: vor 1813
Erscheinungsjahr: 1813
Aus: Stimmen der Zeit
Referenzausgabe:
Edgar Groß: Max von Schenkendorf. Gedichte. Deutsches Verlagshaus Bong & Co: [1912], S. 71.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.