Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Robert Reinick

Käferlied

  Es waren einmal drei Käferknaben,
Die thäten mit Gebrumm brumm brumm
    In Thau ihr Schnäblein tunken,
    Und wurden so betrunken,
5     Als wär's ein Faß mit Rum.
  Da haben sie getroffen an
Eine wunderschöne Blum Blum Blum,
    Da wurden die jungen Käfer
    Alle drei verliebte Schäfer
10     Und flogen um sie herum.
  Die Blume, die sie kommen sah,
War grade auch nicht dumm dumm dumm.
    Sie war von schlauem Sinne
    Und rief die Base Spinne:
15     »Spinn mir ein Netzlein um!«
  Die Base Spinne kroch heran
Und macht' die Beine krumm krumm krumm;
    Sie spann ein Netz so feine
    Und setzte sich dareine,
20     Und saß da mäuschenstumm.
  Und als die Käfer kommen an
Mit zärtlichem Gesumm summ summ,
    Sind sie hinein geflogen,
    Und wurden ausgesogen,
25     Half ihnen kein Gebrumm.
  Das Blümlein aber lachend sprach,
Und kümmert sich nicht drum drum drum:
    »So geht's, ihr lieben Käfer,
    So geht's, ihr lieben Schäfer,
30     Trotz allem Summ und Brumm!«





Entstehungsjahr: 1820-1844
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Romanzen und Balladen
Referenzausgabe:
Berthold Auerbach: Lieder von Robert Reinick, Maler. Verlag von Ernst & Korn: 1863, S. 202-203.
Bemerkungen
Das exakte Datum des Erstdrucks konnte noch nicht ermittelt werden. Das Gedicht bereits in der ersten Auflage der »Lieder« von 1844.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.