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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Robert Reinick

Mondwandrung

»Der Förster ging zu Fest und Schmaus!« –
Der Wildschütz zieht in den Wald hinaus.
Es schläft sein Weib mit dem Kind allein,
Es scheint der Mond in's Kämmerlein.
5 Und wie er scheint auf die weiße Wand,
Da faßt das Kind der Mutter Hand.
»Ach, Mutter, wo bleibt der Vater so lang',
Mir wird so weh, mir wird so bang!«
»»Kind, sieh nicht in den Mondenschein,
10 Schließ' deine Augen, schlaf' doch ein.««
Der Mondschein zieht die Wand entlang,
Er schimmert auf der Büchse blank.
»Ach Mutter, und hörst den Schuß du nicht?
Das war des Vaters Büchse nicht!«
15 »»Kind, sieh nicht in den Mondenschein,
Das war ein Traum, schlaf ruhig ein«« –
Der Mond scheint tief in's Kämmerlein
Auf des Vaters Bild mit blassem Schein.
»Herr Jesus Christus im Himmelreich!
20 O Mutter, der Vater ist todtenbleich!«
Und wie die Mutter vom Schlummer erwacht,
Da haben sie todt ihn heimgebracht.





Entstehungsjahr: 1820-1844
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Romanzen und Balladen
Referenzausgabe:
Berthold Auerbach: Lieder von Robert Reinick, Maler. Verlag von Ernst & Korn: 1863, S. 173-174.
Bemerkungen
Das exakte Datum des Erstdrucks konnte noch nicht ermittelt werden. Das Gedicht bereits in der ersten Auflage der »Lieder« von 1844. Dort noch unter dem Titel »Die Monduhr«.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.