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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Julius Mosen

Der Trompeter an der Katzbach

Von Wunden ganz bedecket
Der Trompeter sterbend ruht,
An der Katzbach hingestrecket,
Der Brust entströmt das Blut.
5 Brennt auch die Todeswunde,
Doch sterben kann er nicht,
Bis neue Siegeskunde
Zu seinen Ohren bricht.
Und wie er schmerzlich ringet
10 In Todesängsten bang,
Zu ihm herüberdringet
Ein wohlbekannter Klang.
Das hebt ihn von der Erde,
Er streckt sich starr und wild –
15 Dort sitzt er auf dem Pferde
Als wie ein steinern Bild.
Und die Trompete schmettert, –
Fest hält sie seine Hand –
Und wie ein Donner wettert
20 Victoria in das Land.
Victoria – so klang es,
Victoria – überall,
Victoria – so drang es
Hervor mit Donnerschall.
25 Doch als es ausgeklungen,
Die Trompete setzt er ab;
Das Herz ist ihm zersprungen,
Vom Roß stürzt er herab.
Um ihn herum im Kreise
30 Hielt's ganze Regiment,
Der Feldmarschall sprach leise:
»Das heißt ein selig End'!«





Entstehungsjahr: vor 1864
Erscheinungsjahr: 1863
Aus: Fliegende Blätter / Teil 1
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Sämmtliche Werke von Julius Mosen, Bd. 1. Verlag Ferdinand Schmidt: 1863, S. 16-17.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.