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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Julius Mosen

Hofers Tod

Zu Mantua in Banden
Der treue Hofer war.
In Mantua zum Tode
Führt ihn der Feinde Schar;
5 Es blutete der Brüder Herz,
Ganz Deutschland, ach, in Schmach und Schmerz!
Mit ihm das Land Tyrol.
Die Hände auf dem Rücken
Andreas Hofer ging
10 Mit ruhig festen Schritten,
Ihm schien der Tod gering;
Der Tod, den er so manchesmal
Vom Iselberg geschickt ins Thal
Im heil'gen Land Tyrol.
15 Doch als aus Kerkergittern
Im festen Mantua
Die treuen Waffenbrüder
Die Händ' er strecken sah,
Da rief er aus: »Gott sei mit euch,
20 Mit dem verrathnen deutschen Reich,
Und mit dem Land Tyrol!«
Dem Tambour will der Wirbel
Nicht unter'm Schlägel vor,
Als nun Andreas Hofer
25 Schritt durch das finst're Thor; –
Andreas noch in Banden frei,
Dort stand er fest auf der Bastei,
Der Mann vom Land Tyrol.
Dort soll er niederknieen,
30 Er sprach: »Das thu' ich nit!
Will sterben, wie ich stehe,
Will sterben, wie ich stritt!
So wie ich steh' auf dieser Schanz';
Es leb' mein guter Kaiser Franz,
35 Mit ihm sein Land Tyrol!«
Und von der Hand die Binde
Nimmt ihm der Korporal;
Andreas Hofer betet
Allhier zum letzten Mal,
40 Dann ruft er: »Nun so trefft mich recht!
Gebt Feuer, ach, wie schießt ihr schlecht!
Ade, mein Land Tyrol!«





Entstehungsjahr: vor 1864
Erscheinungsjahr: 1863
Aus: Fliegende Blätter / Teil 1
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Sämmtliche Werke von Julius Mosen, Bd. 1. Verlag Ferdinand Schmidt: 1863, S. 12-13.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.