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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Paul Heyse

Über ein Stündlein

        Dulde, gedulde dich fein!
        Über ein Stündlein
        Ist deine Kammer voll Sonne.
Über den First, wo die Glocken hangen,
5 Ist schon lange der Schein gegangen,
Ging in Türmers Fenster ein.
Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,
Einsam wohnt er, oft erschrocken,
Doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein.
10 Wer in tiefen Gassen gebaut,
Hütt' an Hüttlein lehnt sich traut,
Glocken haben ihn nie erschüttert,
Wetterstrahl ihn nie umzittert,
Aber spät sein Morgen graut.
15 Höh' und Tiefe hat Lust und Leid.
Sag ihm ab, dem törigen Neid:
Andrer Gram birgt andre Wonne.
        Dulde, gedulde dich fein!
        Über ein Stündlein
20         Ist deine Kammer voll Sonne.





Entstehungsjahr: 1846-1851
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Gedichte und Übersetzungen / Jugendlieder (1846-1851)
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Paul Heyse. Gesammelte Werke, Bd. III, 5. Georg Olms Verlag: 1984ff, S. 144.
Bemerkungen
Uns liegen keine Angaben zum Erstdruck vor.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.