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Wilhelm Hauff

Soldatenliebe

Steh' ich in finstrer Mitternacht
So einsam auf der stillen Wacht,
So denk' ich an mein fernes Lieb,
Ob mir's auch treu und hold verblieb?
5 Als ich zur Fahne fortgemüßt.
Hat sie so herzlich mich geküßt,
Mit Bändern meinen Hut geschmückt
Und weinend mich ans Herz gedrückt!
Sie liebt mich noch, sie ist mir gut;
10 Drum bin ich froh und wohlgemuth;
Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht,
Wenn es ans treue Lieb gedacht.
Jetzt bei der Lampe mildem Schein
Gehst Du wol in Dein Kämmerlein
15 Und schickst Dein Nachtgebet zum Herrn
Auch für den Liebsten in der Fern'!
Doch wenn Du traurig bist und weinst,
Mich von Gefahr umrungen meinst –
Sei ruhig! Bin in Gottes Hut,
20 Er liebt ein treu Soldatenblut.
Die Glocke schlägt, bald naht die Rund'
Und löst mich ab zu dieser Stund';
Schlaf wohl im stillen Kämmerlein
Und denk in Deinen Träumen mein!





Entstehungsjahr: vor 1824
Erscheinungsjahr: 1824
Fassung: Frühe
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
A. Lindner: Prosaische und poetische Werke von W. Hauff, Bd. 1. Gustav Hempel: o. J., S. 41.
Bemerkungen
Später in »Phantasien im Bremer Ratskeller« 1827
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: [Steh ich in finstrer Mitternacht] , entstanden 1826

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.