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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Joseph Freiherr von Eichendorff

[Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh?]

Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh?
Das Horn lockt nächtlich dort, als ob's dich riefe,
Am Abgrund grast das Reh,
Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe –
5 O stille! wecke nicht! es war, als schliefe
Da drunten unnennbares Weh. –
Kennst du den Garten? – Wenn sich Lenz erneut,
Geht dort ein Fräulein auf den kühlen Gängen
Still durch die Einsamkeit
10 Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen,
Als ob die Bäume und die Blumen sängen,
Von der alten schönen Zeit.
Ihr Wipfel und ihr Brunnen, rauscht nur zu!
Wohin du auch in wilder Flucht magst dringen:
15 Du findest nirgends Ruh!
Erreichen wird dich das geheime Singen,
In dieses Sees wunderbaren Ringen
Gehn wir doch unter, ich und du! –





Entstehungsjahr: um 1833
Erscheinungsjahr: 1859
Aus: Gedichte 1831-1836
Referenzausgabe:
Hartwig Schultz (Bd. 1) / Wolfgang Frühwald (Bd. 2) / Brigitte Schillbach (Bd. 3): Joseph von Eichendorff. Werke in sechs Bänden, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag, Frankfurt: 1987, S. 299-300.
Bemerkungen
Erstdruck 1859 in »Deutscher Musenalmanach« unter dem Titel »Die Heimat. An meinen Bruder. 1819«
DV nach ED mit Vergleich des Faksimiles bei Stöcklein, dort ohne Titel

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.