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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Emanuel Geibel

Auf dem See

 Nun fließt die Welt in kühlem Mondenlicht,
 Die Berge sind in weißem Duft versunken;
 Der See, der leis um meinen Kahn sich bricht,
 Spielt fern hinaus in irren Silberfunken,
5  Doch sein Gestad' erkenn' ich nicht.
 Wie weit! Wie still! Da schließt in mir ein Sinn
 Sich auf, das Unnennbarste zu verstehen;
 Uralte Melodieen gehen
 Durch meine Brust gedämpft dahin.
10  Es sinkt, wie Tau, der Ewigkeit Gedanke
 Kühl schauernd über mich und füllt mich ganz,
 Und mich umflutet sonder Schranke
 Ein uferloses Meer von weißem Glanz.





Entstehungsjahr: 1856
Erscheinungsjahr: 1906
Aus: Neue Gedichte
Referenzausgabe:
Wolfgang Stammler: Geibels Werke. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe, Bd. 2. Bibliographisches Institut, Leipzig: 1918, S. 75.

Gedicht eingearbeitet von: Monika Spatz.