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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Eduard Mörike

Nachts

Horch! auf der Erde feuchtem Grund gelegen,
Arbeitet schwer die Nacht der Dämmerung entgegen,
Indessen dort, in blauer Luft gezogen,
Die Fäden leicht, unhörbar fließen
5 Und hin und wieder mit gestähltem Bogen
Die lustgen Sterne goldne Pfeile schießen.
Im Erdenschoß, im Hain und auf der Flur,
Wie wühlt es jetzo rings in der Natur
Von nimmersatter Kräfte Gärung!
10 Und welche Ruhe doch und welch ein Wohlbedacht!
Mir aber in geheimer Brust erwacht
Ein peinlich Widerspiel von Fülle und Entbehrung
Vor diesem Bild, so schweigend und so groß.
Mein Herz, wie gerne machtest du dich los!
15 Du schwankendes, dem jeder Halt gebricht,
Willst, kaum entflohn, zurück zu deinesgleichen.
Trägst du der Schönheit Götterstille nicht,
So beuge dich! denn hier ist kein Entweichen.





Entstehungsjahr: 1832
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Späte
Aus: Gedichte / Nachlaß, Aus den Jahren bis 1833
Referenzausgabe:
Herbert G. Göpfert: Eduard Mörike. Werke in einem Band. dtv: 1995, S. 250.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Horch! auf der Erde feuchtem Bauch gelegen] , entstanden vor 1832

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.