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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Eduard Mörike

Nimmersatte Liebe

So ist die Lieb'! So ist die Lieb'!
Mit Küssen nicht zu stillen:
Wer ist der Tor und will ein Sieb
Mit eitel Wasser füllen?
5 Und schöpfst du an die tausend Jahr',
Und küssest ewig, ewig gar,
Du tust ihr nie zu Willen.
Die Lieb', die Lieb' hat alle Stund'
Neu wunderlich Gelüsten;
10 Wir bissen uns die Lippen wund,
Da wir uns heute küßten.
Das Mädchen hielt in guter Ruh',
Wie 's Lämmlein unterm Messer;
Ihr Auge bat: nur immer zu,
15 Je weher, desto besser!
So ist die Lieb', und war auch so,
Wie lang' es Liebe gibt,
Und anders war Herr Salomo,
Der Weise, nicht verliebt.





Entstehungsjahr: 1828
Erscheinungsjahr: 1838
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Gustav Keyßner: Eduard Mörikes Sämtliche Werke. Deutsche Verlags-Anstalt: o. J., S. 14.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.