Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg

Lied eines alten schwäbischen Ritters an seinen Sohn
Aus den zwölften Jahrhundert

Sohn, da hast du meinen Speer;
Meinem Arm wird er zu schwer!
Nimm den Schild und dies Geschoß;
Tummle du forthin mein Roß!
5 Siehe, dies nun weiße Haar
Deckt der Helm schon funfzig Jahr;
Jedes Jahr hat eine Schlacht
Schwert und Streitaxt stumpf gemacht!
Herzog Rudolf hat dies Schwert,
10 Axt und Kolbe mir verehrt,
Denn ich blieb dem Herzog hold
Und verschmähte Heinrich's Sold!
Für die Freiheit floß das Blut
Seiner Rechten! Rudolf's Muth
15 That mit seiner linken Hand
Noch dem Franken Widerstand!
Nimm die Wehr und wappne dich!
Kaiser Konrad rüstet sich!
Sohn, entlaste mich des Harms
20 Ob der Schwäche meines Arms!
Zücke nie umsonst dies Schwert
Für der Väter freien Herd!
Sei behutsam auf der Wacht!
Sei ein Wetter in der Schlacht!
25 Immer sei zum Kampf bereit!
Suche stets den wärmsten Streit!
Schone deß, der wehrlos fleht!
Haue den, der widersteht!
Wenn dein Haufe wankend steht,
30 Ihm umsonst das Fähnlein weht,
Trotze dann, ein fester Thurm,
Der vereinten Feinde Sturm!
Deine Brüder fraß das Schwert,
Sieben Knaben, Deutschland's werth!
35 Deine Mutter härmte sich
Stumm und starrend, und verblich.
Einsam bin ich nun und schwach;
Aber, Knabe, deine Schmach
Wär' mir herber siebenmal
40 Denn der sieben andern Fall.
Drum so scheue nicht den Tod,
Und vertraue deinem Gott!
So du kämpfest ritterlich,
Freut dein alter Vater sich!





Entstehungsjahr: 1774
Erscheinungsjahr: 1779
Aus: / Oden, Lieder und Balladen
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke der Brüder Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg, Bd. 1. Perthes und Besser: 1820, S. 44-46.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.