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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg

Lied auf dem Wasser zu singen
Für meine Agnes

Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen
    Gleitet, wie Schwäne, der wankende Kahn;
Ach, auf der Freude sanftschimmernden Wellen
    Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;
5 Denn von dem Himmel herab auf die Wellen
    Tanzet das Abendroth rund um den Kahn.
Über den Wipfeln des westlichen Haines,
    Winket uns freundlich der röthliche Schein;
Unter den Zweigen des östlichen Haines
10     Säuselt der Kalmus im röthlichen Schein;
Freude des Himmels und Ruhe des Haines
    Athmet die Seel' im erröthenden Schein.
Ach, es entschwindet mit thauigem Flügel
    Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit.
15 Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel
    Wieder wie gestern und heute die Zeit,
Bis ich auf höherem strahlenden Flügel
    Selber entschwinde der wechselnden Zeit.





Entstehungsjahr: 1782-1783
Erscheinungsjahr: 1783
Aus: / Oden, Lieder und Balladen
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke der Brüder Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg, Bd. 1. Perthes und Besser: 1820, S. 319-320.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.