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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Hölderlin

An die Hoffnung

O Hoffnung! holde! gütiggeschäftige!
  Die du das Haus der Trauernden nicht verschmähst,
    Und gerne dienend, Edle! zwischen
      Sterblichen waltest und Himmelsmächten,
5 Wo bist du? wenig lebt' ich; doch atmet kalt
  Mein Abend schon. Und stille, den Schatten gleich,
    Bin ich schon hier; und schon gesanglos
      Schlummert das schaudernde Herz im Busen.
Im grünen Tale, dort, wo der frische Quell
10   Vom Berge täglich rauscht, und die liebliche
    Zeitlose mir am Herbsttag aufblüht,
      Dort, in der Stille, du Holde, will ich
Dich suchen, oder wenn in der Mitternacht
  Das unsichtbare Leben im Haine wallt,
15     Und über mir die immerfrohen
      Blumen, die blühenden Sterne glänzen,
O du des Äthers Tochter! erscheine dann
  Aus deines Vaters Gärten, und darfst du nicht
    Ein Geist der Erde, kommen, schröck', o
20       Schröcke mit anderem nur das Herz mir.





Entstehungsjahr: 1800-1803
Erscheinungsjahr: ?
Aus: / Gedichte 1800-1805
Referenzausgabe:
Jochen Schmidt: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte und Hyperion. Insel-Verlag: 1999, S. 316-317.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.