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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Annette Freiin von Droste-Hülshoff

Die Steppe

Standest du je am Strande,
Wenn Tag und Nacht sich gleichen,
Und sah'st aus Lehm und Sande
Die Regenrinnen schleichen –
5 Zahllose Schmugglerquellen,
Und dann, so weit das Auge
Nur reicht, des Meeres Wellen
Gefärbt mit gelber Lauge? –
Hier ist die Dün' und drunten
10 Das Meer; Kanonen gleichend
Stehn Schäferkarrn, die Lunten
Verlöscht am Boden streichend.
Gilt's etwa dem Korsaren
Im flatternden Kaftane,
15 Den dort ich kann gewahren
Im gelben Oceane?
Er scheint das Tau zu schlagen,
Sein Schiff verdeckt die Düne,
Doch sieht den Mast man ragen, –
20 Ein dürrer Fichtenhüne;
Von seines Toppes Kunkel
Die Seile stramm wie Aeste,
Der Mastkorb, rauh und dunkel,
Gleicht einem Weihenneste! –





Entstehungsjahr: 1842
Erscheinungsjahr: 1844
Aus: Gedichte der Ausgabe von 1844 / Haidebilder
Referenzausgabe:
W. Theiß (Bd. 1) / Kortländer (Bd. 2) / Winfried Woesler (Bd. 4): Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. I,1. Max Niemeyer Verlag, Tübingen: 1978ff., S. 49.
Bemerkungen
Erstdruck in der 2. Auflage der Gedichte, 1844, S. 58
In den Handschriften zuerst unter den Titeln »Sand«, »Im Sande«, »Die Haard«.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.