Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Hölderlin

Der Tod fürs Vaterland

Du kömmst, o Schlacht! schon wogen die Jünglinge
  Hinab von ihren Hügeln, hinab in's Tal,
    Wo keck herauf die Würger dringen,
      Sicher der Kunst und des Arms, doch sichrer
5 Kömmt über sie die Seele der Jünglinge,
  Denn die Gerechten schlagen, wie Zauberer,
    Und ihre Vaterlandsgesänge
      Lähmen die Knie den Ehrelosen.
O nimmt mich, nimmt mich mit in die Reihen auf,
10   Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods!
    Umsonst zu sterben, lieb' ich nicht, doch
      Lieb' ich, zu fallen am Opferhügel
Für's Vaterland, zu bluten des Herzens Blut
  Für's Vaterland – und bald ist's gescheh'n! Zu euch
15     Ihr Teuern! komm' ich, die mich leben
      Lehrten und sterben, zu euch hinunter!
Wie oft im Lichte dürstet' ich euch zu seh'n,
  Ihr Helden und ihr Dichter aus alter Zeit!
    Nun grüßt ihr freundlich den geringen
20       Fremdling und brüderlich ist's hier unten;
Und Siegesboten kommen herab: Die Schlacht
  Ist unser! Lebe droben, o Vaterland,
    Und zähle nicht die Toten! Dir ist,
      Liebes! nicht Einer zu viel gefallen.





Entstehungsjahr: 1799
Erscheinungsjahr: ?
Aus: / Gedichte 1798-1800
Referenzausgabe:
Jochen Schmidt: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte und Hyperion. Insel-Verlag: 1999, S. 216-217.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.