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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Friedrich Hölderlin

Die Heimat

Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom,
  Von Inseln fernher, wenn er geerntet hat;
    So käm' auch ich zur Heimat, hätt' ich
      Güter so viele, wie Leid, geerntet.
5 Ihr teuern Ufer, die mich erzogen einst,
  Stillt ihr der Liebe Leiden, versprecht ihr mir,
    Ihr Wälder meiner Jugend, wenn ich
      Komme, die Ruhe noch einmal wieder?
Am kühlen Bache, wo ich der Wellen Spiel,
10   Am Strome, wo ich gleiten die Schiffe sah,
    Dort bin ich bald; euch traute Berge,
      Die mich behüteten einst, der Heimat
Verehrte sichre Grenzen, der Mutter Haus
  Und liebender Geschwister Umarmungen
15     Begrüß' ich bald und ihr umschließt mich,
      Daß, wie in Banden, das Herz mir heile,
Ihr treugebliebnen! aber ich weiß, ich weiß,
  Der Liebe Leid, dies heilet so bald mir nicht,
    Dies singt kein Wiegensang, den tröstend
20       Sterbliche singen, mir aus dem Busen.
Denn sie, die uns das himmlische Feuer leihn,
  Die Götter schenken heiliges Leid uns auch,
    Drum bleibe dies. Ein Sohn der Erde
      Schein' ich; zu lieben gemacht, zu leiden.





Entstehungsjahr: 1800
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Späte
Aus: / Gedichte 1800-1805
Referenzausgabe:
Jochen Schmidt: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte und Hyperion. Insel-Verlag: 1999, S. 245.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Die Heimat , entstanden 1798

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.