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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Hölderlin

Lebenslauf

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
  All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger,
    Doch es kehret umsonst nicht
      Unser Bogen, woher er kommt.
5 Aufwärts oder hinab! herrschet in heil'ger Nacht,
  Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
    Herrscht im schiefesten Orkus
      Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?
Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich,
10   Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
    Daß ich wüßte, mit Vorsicht,
      Mich des ebenen Pfads geführt.
Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
  Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern',
15     Und verstehe die Freiheit,
      Aufzubrechen, wohin er will.





Entstehungsjahr: 1800
Erscheinungsjahr: ?
Aus: / Gedichte 1800-1805
Referenzausgabe:
Jochen Schmidt: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte und Hyperion. Insel-Verlag: 1999, S. 247.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.