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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Hölderlin

Hyperions Schicksalslied

Ihr wandelt droben im Licht
  Auf weichem Boden, selige Genien!
    Glänzende Götterlüfte
      Rühren euch leicht,
5         Wie die Finger der Künstlerin
          Heilige Saiten.
Schicksallos, wie der schlafende
  Säugling, atmen die Himmlischen;
    Keusch bewahrt
10       In bescheidener Knospe,
        Blühet ewig
          Ihnen der Geist,
            Und die seligen Augen
              Blicken in stiller
15                 Ewiger Klarheit.
Doch uns ist gegeben,
  Auf keiner Stätte zu ruhn,
    Es schwinden, es fallen
      Die leidenden Menschen
20         Blindlings von einer
          Stunde zur andern,
            Wie Wasser von Klippe
              Zu Klippe geworfen,
                Jahr lang ins Ungewisse hinab.





Entstehungsjahr: 1798
Erscheinungsjahr: ?
Aus: / Gedichte 1796-1798
Referenzausgabe:
Jochen Schmidt: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Gedichte und Hyperion. Insel-Verlag: 1999, S. 207.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.