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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ferdinand Raimund

(Hobellied)

Da streiten sich die Leut herum
Oft um den Wert des Glücks,
Der eine heißt den andern dumm,
Am End weiß keiner nix.
5 Da ist der allerärmste Mann
Dem andern viel zu reich.
Das Schicksal setzt den Hobel an
Und hobelt s' beide gleich.
Die Jugend will halt stets mit Gwalt
10 In allen glücklich sein,
Doch wird man nur ein bissel alt,
Da find man sich schon drein.
Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nicht in Wut.
15 Da klopf ich meinen Hobel aus
Und denk, du brummst mir gut.
Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
Und zupft mich: Brüderl, kumm!
Da stell ich mich im Anfang taub
20 Und schau mich gar nicht um.
Doch sagt er: Lieber Valentin!
Mach keine Umständ! Geh!
Da leg ich meinen Hobel hin
Und sag der Welt Adje. (Ab.)
25            Repetition
Ein Tischler, wenn sein War gefällt,
Hat manche frohe Stund,
Das Glück ist doch nicht in der Welt
Mit Reichtum bloß im Bund.
30 Seh ich soviel zufriednen Sinn,
Da flieht mich alles Weh.
Da leg ich nicht den Hobel hin,
Sag nicht der Kunst Adje! (Ab.)





Entstehungsjahr: 1833
Erscheinungsjahr: 1834
Aus: Der Verschwender / Dritter Akt, Sechster Auftritt
Referenzausgabe:
Friedrich Schreyvogl: Der Barometermacher auf der Zauberinsel. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: 1964, S. 583-584.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.