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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (Henricus Custos)

Das Ährenfeld
1843

Ein Leben war's im Ährenfeld
Wie sonst wohl nirgend auf der Welt:
Musik und Kirmes weit und breit
Und lauter Lust und Fröhlichkeit.
5 Die Grillen zirpten früh am Tag
Und luden ein zum Zechgelag:
Hier ist es gut, herein! herein!
Hier schenkt man Tau und Blütenwein.
Der Käfer kam mit seiner Frau,
10 Trank hier ein Mäßlein kühlen Tau,
Und wo nur winkt' ein Blümelein,
Da kehrte gleich das Bienchen ein.
Den Fliegen ward die Zeit nicht lang,
Sie summten manchen frohen Sang.
15 Die Mücken tanzten ihren Reihn
Wohl auf und ab im Sonnenschein.
Das war ein Leben ringsumher,
Als ob es ewig Kirmes wär.
Die Gäste zogen aus und ein
20 Und ließen sich's gar wohl dort sein.
Wie aber geht es in der Welt?
Heut ist gemäht das Ährenfeld,
Zerstöret ist das schöne Haus,
Und hin ist Kirmes, Tanz und Schmaus.





Entstehungsjahr: 1843
Erscheinungsjahr: 1877
Aus: Gedichte / Teil IV. Kinderlieder
Referenzausgabe:
Hermann Wendebourg / Anneliese Gerbert: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Gedichte und Lieder. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg: 1974, S. 159-160.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.