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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Georg Herwegh

Wiegenlied

            ,,Schlafe, was willst du mehr?"
                                        Goethe
Deutschland – auf weichem Pfühle
Mach dir den Kopf nicht schwer!
5 Im irdischen Gewühle
Schlafe, was willst du mehr?
Laß jede Freiheit dir rauben,
Setze dich nicht zur Wehr,
Du behältst ja den christlichen Glauben:
10 Schlafe, was willst du mehr?
Und ob man dir alles verböte,
Doch gräme dich nicht zu sehr,
Du hast ja Schiller und Goethe:
Schlafe, was willst du mehr?
15 Dein König beschützt die Kamele
Und macht sie pensionär,
Dreihundert Taler die Seele:
Schlafe, was willst du mehr?
Es fechten dreihundert Blätter
20 Im Schatten, ein Sparterheer;
Und täglich erfährst du das Wetter:
Schlafe, was willst du mehr?
Kein Kind läuft ohne Höschen
Am Rhein, dem freien, umher:
25 Mein Deutschland, mein Dornröschen,
Schlafe, was willst du mehr? –





Entstehungsjahr: vor 1843
Erscheinungsjahr: 1843
Aus: Gedichte eines Lebendigen / Teil 2
Referenzausgabe:
Marcel Herwegh: Gedichte eines Lebendigen. Max Hesses Verlag: 1905, S. 141-142.
Bemerkungen
Uns liegen keine genaueren Angaben zum Erstdruck vor.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.