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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ernst Moritz Arndt

Das Lied vom Feldmarschall
1813

Was blasen die Trompeten? Husaren, heraus!
Es reitet der Feldmarschall im fliegenden Saus,
Er reitet so freudig sein muthiges Pferd,
Er schwinget so schneidig sein blitzendes Schwerdt.
5 O schauet, wie ihm leuchten die Augen so klar!
O schauet, wie ihm wallet sein schneeweißes Haar!
So frisch blüht sein Alter wie greisender Wein,
Drum kann er Verwalter des Schlachtfeldes sein.
Der Mann ist er gewesen, als alles versank,
10 Der muthig auf gen Himmel den Degen noch schwang,
Da schwur er beim Eisen gar zornig und hart,
Den Wälschen zu weisen die deutscheste Art.
Den Schwur hat er gehalten.   Als Kriegsruf erklang,
Hei! wie der weiße Jüngling in'n Sattel sich schwang,
15 Da ist er's gewesen, der Kehraus gemacht,
Mit eisernen Besen das Land rein gemacht.
Bei Lützen auf der Aue er hielt solchen Strauß,
Daß vielen tausend Wälschen der Athem ging aus,
Daß Tausende liefen dort hastigen Lauf,
20 Zehntausend entschliefen, die nimmer wachen auf.
Am Wasser der Katzbach er's auch hat bewährt,
Da hat er den Franzosen das Schwimmen gelehrt:
Fahrt wohl, ihr Franzosen, zur Ostsee hinab!
Und nehmt, Ohnehosen, den Wallfisch zum Grab!
25 Bei Wartburg an der Elbe wie fuhr er hindurch!
Da schirmte die Franzosen nicht Schanze noch Burg,
Da mußten sie springen wie Hasen übers Feld,
Hinterdrein ließ erklingen sein Hussa! der Held.
Bei Leipzig auf dem Plane, o herrliche Schlacht!
30 Da brach er den Franzosen das Glück und die Macht,
Da lagen sie sicher nach blutigem Fall,
Da ward der Herr Blücher ein Feldmarschall.
Drum blaset, ihr Trompeten! Husaren, heraus!
Du reite, Herr Feldmarschall, wie Winde im Saus!
35 Dem Siege entgegen, zum Rhein! übern Rhein!
Du tapferer Degen, in Frankreich hinein!





Entstehungsjahr: 1813
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Zweiter Theil
Referenzausgabe:
Heinrich Meisner: Gedichte von Ernst Moritz Arndt. Vollständige Sammlung, Bd. 2. Verlag von Karl Fr. Pfau, Leipzig: [1894]f., S. 90-91.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.