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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Christian Günther

Als er der Phyllis einen Ring mit einem Todten-Kopffe überreichte

ERschrick nicht vor dem Liebes-Zeichen,
Es träget unser künfftig Bild,
Vor dem nur die allein erbleichen,
Bey welchen die Vernunfft nicht gilt.
5 Wie schickt sicher aber Eiß und Flammen?
Wie reimt sich Lieb' und Tod zusammen?
Es schickt und reimt sich gar zu schön,
Denn beyde sind von gleicher Stärcke,
Und spielen ihre Wunder-Wercke
10 Mit allen, die auf Erden gehn.
Jch gebe dir diß Pfand zur Lehre;
Das Gold bedeutet feste Treu,
Der Ring daß uns die Zeit verehre,
Die Täubchen, wie vergnügt man sey;
15 Der Kopff erinnert dich des Lebens,
Jm Grab ist aller Wunsch vergebens,
Drum lieb' und lebe, weil man kan,
Wer weiß, wie bald wir wandern müssen!
Das Leben steckt im treuen Küssen,
20 Ach fang den Augenblick noch an.





Entstehungsjahr: um 1721
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Erotische Gelegenheitsdichtungen / Verliebte Gedichte 14
Referenzausgabe:
Reiner Bölhoff: Johann Christian Günther. Werke. Deutscher Klassiker Verlag: 1998, S. 825.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.