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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Johann Christian Günther

Trost-Aria

  ENdlich bleibt nicht ewig aus;
Endlich wird der Trost erscheinen;
  Endlich grünt der Hoffnungs-Strauß;
Endlich hört man auf zu weinen;
5   Endlich bricht der Thränen-Krug;
  Endlich spricht der Tod: Genug!
  Endlich wird aus Wasser Wein,
Endlich kommt die rechte Stunde;
  Endlich fällt der Kercker ein;
10 Endlich heilt die tieffste Wunde;
  Endlich macht die Sclaverey
  Den gefangnen Joseph frey.
  Endlich, endlich kan der Neid,
Endlich auch Herodes sterben;
15   Endlich Davids Hirten-Kleid
Seinen Saum in Purpur färben.
  Endlich macht die Zeit den Saul
  Zur Verfolgung schwach und faul.
  Endlich nimmt der Lebens-Lauff
20 Unsers Elends auch ein Ende;
  Endlich steht ein Heyland auf,
Der das Joch der Knechtschafft wende;
  Endlich machen viertzig Jahr
  Die Verheissung zeitig wahr.
25   Endlich blüht die Aloe;
Endlich trägt der Palm-Baum Früchte;
  Endlich schwindet Furcht und Weh;
Endlich wird der Schmertz zu nichte;
  Endlich sieht man Freuden-Thal,
30   Endlich, Endlich kommt einmahl.





Entstehungsjahr: 1714
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Religiöse Gelegenheitsdichtungen / Geistliche Lieder und Gedichte 2
Referenzausgabe:
Reiner Bölhoff: Johann Christian Günther. Werke. Deutscher Klassiker Verlag: 1998, S. 192-193.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.