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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Uhland

Graf Eberhard der Rauschebart

Ist denn im Schwabenlande verschollen aller Sang,
Wo einst so hell vom Staufen die Ritterharfe klang?
Und wenn er nicht verschollen, warum vergißt er ganz
Der tapfern Väter Taten, der alten Waffen Glanz?
5 Man lispelt leichte Liedchen, man spitzt manch Sinngedicht,
Man höhnt die holden Frauen, des alten Liedes Licht:
Wo rüstig Heldenleben längst auf Beschwörung lauscht,
Da trippelt man vorüber und schauert, wenn es rauscht.
Brich denn aus deinem Sarge, steig aus dem düstern Chor
10 Mit deinem Heldensohne, du Rauschebart, hervor!*
Du schlugst dich unverwüstlich noch greise Jahr entlang,
Brich auch durch unsre Zeiten mit hellem Schwertesklang!
* Graf Eberhard von Württemberg, genannt der Greiner, auch der
Rauschebart (+ 1392), und dessen Sohn Ulrich (+ 1388) sind im Chor
15 der Stiftskirche zu Stuttgart beigesetzt.





Entstehungsjahr: 1815
Erscheinungsjahr: 1815
Aus: Gedichte. Ausgabe letzter Hand / Balladen und Romanzen / Graf Eberhard der Rauschebart 0
Referenzausgabe:
Hartmut Fröschle / Walter Scheffler: Ludwig Uhland. Werke, Bd. 1. Winkler Verlag: 1980, S. 228-229.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.