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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Uhland

Die drei Lieder

In der hohen Hall saß König Sifrid:
»Ihr Hafner! wer weiß mir das schönste Lied?«
Und ein Jüngling trat aus der Schar behende,
Die Harf in der Hand, das Schwert an der Lende.
5 »Drei Lieder weiß ich; den ersten Sang,
Den hast du ja wohl vergessen schon lang:
Meinen Bruder hast du meuchlings erstochen!
Und aber: hast ihn meuchlings erstochen!
Das andre Lied, das hab ich erdacht
10 In einer finstern, stürmischen Nacht:
Mußt mit mir fechten auf Leben und Sterben!
Und aber: mußt fechten auf Leben und Sterben!«
Da lehnt' er die Harfe wohl an den Tisch,
Und sie zogen beide die Schwerter frisch,
15 Und fochten lange mit wildem Schalle,
Bis der König sank in der hohen Halle.
»Nun sing ich das dritte, das schönste Lied,
Das werd ich nimmer zu singen müd:
König Sifrid liegt in seim roten Blute!
20 Und aber: liegt in seim roten Blute!«





Entstehungsjahr: 1807
Erscheinungsjahr: 1808
Aus: Gedichte. Ausgabe letzter Hand / Balladen und Romanzen
Referenzausgabe:
Hartmut Fröschle / Walter Scheffler: Ludwig Uhland. Werke, Bd. 1. Winkler Verlag: 1980, S. 132-133.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.