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Ludwig Uhland
Am 18. Oktober 1816
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Wenn heut ein Geist herniederstiege, |
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Zugleich ein Sänger und ein Held, |
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Ein solcher, der im heil'gen Kriege |
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Gefallen auf dem Siegesfeld, |
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Der sänge wohl auf deutscher Erde |
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Ein scharfes Lied, wie Schwertesstreich, |
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Nicht so, wie ich es künden werde, |
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Nein, himmelskräftig, donnergleich: |
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»Man sprach einmal von Festgeläute, |
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Man sprach von einem Feuermeer, |
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Doch was das große Fest bedeute, |
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Weiß es denn jetzt noch irgendwer? |
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Wohl müssen Geister niedersteigen, |
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Von heil'gem Eifer aufgeregt, |
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Und ihre Wundenmale zeigen, |
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Daß ihr darein die Finger legt. |
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Ihr Fürsten! seid zuerst befraget: |
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Vergaßt ihr jenen Tag der Schlacht, |
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An dem ihr auf den Knieen laget |
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Und huldigtet der höhern Macht? |
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Wenn eure Schmach die Völker lösten, |
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Wenn ihre Treue sie erprobt, |
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So ist's an euch, nicht zu vertrösten, |
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Zu leisten jetzt, was ihr gelobt. |
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Ihr Völker, die ihr viel gelitten, |
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Vergaßt auch ihr den schwülen Tag? |
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Das Herrlichste, was ihr erstritten, |
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Wie kommt's, daß es nicht frommen mag? |
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Zermalmt habt ihr die fremden Horden |
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Doch innen hat sich nichts gehellt, |
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Und Freie seid ihr nicht geworden, |
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Wenn ihr das Recht nicht festgestellt. |
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Ihr Weisen! Muß man euch berichten, |
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Die ihr doch alles wissen wollt, |
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Wie die Einfältigen und Schlichten |
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Für klares Recht ihr Blut gezollt? |
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Meint ihr, dass in den heißen Gluten |
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Die Zeit, ein Phönix, sich erneut, |
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Nur um die Eier auszubruten, |
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Die ihr geschäftig unterstreut? |
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Ihr Fürstenrät' und Hofmarschälle |
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Mit trübem Stern auf kalter Brust, |
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Die ihr vom Kampf um Leipzigs Wälle |
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Wohl gar bis heute nichts gewußt, |
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Vernehmt! an diesem heut'gen Tage |
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Hielt Gott der Herr ein groß Gericht. |
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– Ihr aber hört nicht, was ich sage, |
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Ihr glaubt an Geisterstimmen nicht. |
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Was ich gesollt, hab ich gesungen, |
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Und wieder schwing ich mich empor, |
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Was meinem Blick sich aufgedrungen, |
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Verkünd ich dort dem sel'gen Chor: |
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Nicht rühmen kann ich, nicht verdammen, |
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Untröstlich ist's noch allerwärts: |
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Doch sah ich manches Auge flammen, |
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Und klopfen hört ich manches Herz.« |