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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ludwig Uhland

Der Wirtin Töchterlein

Es zogen drei Bursche wohl über den Rhein,
Bei einer Frau Wirtin, da kehrten sie ein.
»Frau Wirtin! hat Sie gut Bier und Wein?
Wo hat Sie ihr schönes Töchterlein?«
5 »Mein Bier und Wein ist frisch und klar.
Mein Töchterlein liegt auf der Totenbahr.«
Und als sie traten zur Kammer hinein,
Da lag sie in einem schwarzen Schrein.
Der erste, der schlug den Schleier zurück
10 Und schaute sie an mit traurigem Blick:
»Ach! lebtest du noch, du schöne Maid!
Ich würde dich lieben von dieser Zeit.«
Der zweite deckte den Schleier zu
Und kehrte sich ab und weinte dazu:
15 »Ach! daß du liegst auf der Totenbahr!
Ich hab dich geliebet so manches Jahr.«
Der dritte hub ihn wieder sogleich
Und küßte sie an den Mund so bleich:
»Dich liebt ich immer, dich lieb ich noch heut
20 Und werde dich lieben in Ewigkeit.«





Entstehungsjahr: 1808
Erscheinungsjahr: 1813
Aus: Gedichte. Ausgabe letzter Hand / Balladen und Romanzen
Referenzausgabe:
Hartmut Fröschle / Walter Scheffler: Ludwig Uhland. Werke, Bd. 1. Winkler Verlag: 1980, S. 141-142.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.